"Reparatur-Service" als Kleingewerbe anmelden?

Dieses Thema im Forum "Allgemeiner Talk" wurde erstellt von Nejat55, 8. Jan. 2012.

  1. Nejat55

    Nejat55 VIP Mitglied

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    Hey Leute,

    wollte euch mal um euren Rat bitten da ich denke dass sich hier einige damit auskennen, zumindest besser wie ich..:)

    Da ich mich trotz keinerlei Ausbildung gut mit PC's und Handy auskenne repariere ich diese auch Hobbymäßig schon jahre lang, durch Mundpropaganda hat sich dass alles in den paar Jahren rumgesprochen, dass ich gute und saubere Arbeit leiste, und es kommen immer mehr Leute auf mich zu, früher war es der Bekanntenkreis heute sind es schon überwiegend Leute die ich nicht einmal persönlich kenne...

    Ich besuche momentan noch die Schule und mache das erste Berufskolleg im technischen Bereich, mache das alles also nur nebenher..allerdings hat mein Onkel letzte Woche gemeint ich sollte diese ganze Arbeit die ich da leiste für den Fall der Fälle irgendwo anmelden, mir ist da nur das Kleingewerbe eingefallen, ich denke nicht dass ich die 17.500€ Marke im Jahr überschreiten werde..allerdings soll es auch nichts großes sein, hauptsache es ist gemeldet dass ich so eine Arbeit verrichte da ich zurzeit kaum noch mit der Arbeit nachkomme und bedenken habe dass wenn mich mal einer verpetzt die Strafe hoch werden kann ;) Die ganze arbeit mache ich natürlich bei mir zu Hause oder vor Ort..und wie gesagt nichts großes, eher sachen wie

    - PC Reparatur (Hardware, Software, Einrichtung..)
    - Internet (Netzwerk, Einrichten, konfigurieren, anschließen...)
    - Handy Reparatur (Konfiguration, Display wechsel, Glas wechsel, einzelne Hardware umbauen, Software mäßig viel..)

    Arbeit die ich mir selbst nicht zutraue oder noch nie gemacht habe mach ich niemals an fremden Geräten.

    Würdet ihr mir das empfehlen?
    Nachteile, Vorteile?
    Würde das alles klappen?
    Was muss ich beachten?

    Ich weiß eigentlich rein garnichts, wenn ich etwas mehr weiß und das Gefühl habe es könnte das richtige sein werde ich zum zuständigen Amt gehen und dann mich nochmals dort beraten lassen..

    Schonmal im vorraus Danke!
     
  2. Aurea

    Aurea VIP Mitglied

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    Sobald du damit in größeren Rahmen Geld verdienst - und ich hier sprech nicht von ab und mal einen 20er, den man dir zusteckt - solltest du das ganze anmelden. Wenn du dich als Kleingewerbetreibender anmeldest, also unter den 17.500 Euro im Jahr bleibst, kannst du auch die Umsatzsteuerbefreiung beantragen (einfach ein Häckchen im Formular bei der Finanzamtanmeldung setzen), damit musst du nicht jeden Monat Vorsteuer anmelden, abführen, gegenrechnen und den ganzen Pipapo. Das wäre bei dir erstmal mehr Arbeit als Nutzen.
    Dann darfst du Rechnungen allerdings auch nur ohne Mehrwertsteuer ausstellen ;)

    Anmelden kannst du dich über das Gewerbeamt deines Bezirkes, die Formulare findest du meist auf den Homepages der Ämter. Die Damen und Herren da helfen meist auch beim ausfüllen. Dann entrichtest du dort den Anmeldebetrag (10 - 60 Euro) und gehst mit einem Gewerbeschein nach Hause. Alles ganz easy :D

    Den Anmeldebetrag kannst du dann am Ende des Jahres als Betriebsausgabe geltend machen (Beleg aufbewahren).

    Dann musst du dich bzw. dein Unternehmen beim Finanzamt anmelden. Meist melden die sich automatisch bei dir, die Formulare gibts aber natürlich auch bei denen vor Ort. Nachdem du das Formular ans Finanzamt gesendet hast, erhälst du eine Steuernummer, die man eigentlich auf den Rechnungen mit angibt (mache ich zumindest so)...

    Ja, und dann kanns schon los gehen... Am Ende des Jahres bzw. bis zum 31.05. des Folgejahres musst du eine Steuererklärung über deine Einnahmen und Ausgaben machen. Dafür wird von dir eine nachvollziehbare Buchführung verlangt. Sprich, alle Einnahmen musst du dir entsprechend vermerken, aufschreiben, speichern - wie auch immer. Das Finanzamt will dann natürlich wissen, was du eingenommen hast. Davon abziehen kannst du pro Jahr 920 € (Werbungskostenpauschbetrag - ohne Belege), Kilometerkosten, Geschäftsessen, Büromaterial, Materialien und so weiter. Allerdings solltest du diese Ausgaben natürlich belegen können (anhand von Belegen, Rechnungen, ect.)

    In der Steuererklärung rechnest du ja dann Einnahmen - Ausgaben und kommst auf den zu versteuernden Betrag. Die Steuegrenze liegt derzeit bei etwa 8000 Euro. Bekommst du noch Kindergeld? Dann dürfen deine Einnahmen (nach Abzug der Ausgaben) die Kindergeldgrenze (2011 8.001 €) nicht überschreiten.

    Wichtig ist noch, dass du trotz aller Ausgaben-Rechnerei irgendwie Gewinn machst :D Du tust das ja nicht aus Spaß, sondern mit Gewinnabsicht. Da sollte also untern Strich auch was übrig bleiben :D

    Was du ganz wichtig noch bedenken musst, ist deine Haftung. Du haftest als Unternehmer ja für deine Arbeit bzw. musst eine gewisse Gewährleistung geben (Genau kenn ich mich in dieser Branche da nicht aus). Im schlimmsten Fall verkabelst du was falsch und die Bude deiner Kunden brennt ab... Das sollte natürlich entsprechend abgesichert sein... Aber da musst du selber mal sehen, welche Risiken bestehen...
     
  3. Nejat55

    Nejat55 VIP Mitglied

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    So, war hier leider sehr lange nicht mehr aktiv, wollte jedoch kurz Rückmeldung gebeben, vielleicht kommt ja irgendwann einer auf die selbe Idee :)

    Habe mein BK1 erfolgreich absolviert und eine Ausbildung als IT-Systemelektroniker angefangen,
    die ich leider nach 3 Monaten wieder abgebrochen habe (nach Absprach mit der IHK).

    Genau einen Jahr nach diesem Beitrag (07.01.2013), habe ich mich in einem 50qm Laden speziallisiert auf Smartphonereparaturen selbstständig gemacht und ich bin überrascht! War bei uns in der Gegend eine echte Marktlücke...allein schon dass ich in Elektrofachmärkten oder Handyshops weiter empfohlen werde sagt mir dass es keine falsche Entscheidung war :)

    Aller Anfang ist schwer, mittlerweile sind es aber ca. 10 Monate und es geht immer weiter Berg auf...
     
  4. pommesmatte

    pommesmatte Super-Moderator
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    Na dann herzlichen Glückwunsch.

    Falls du nicht eh schon einen hast rate ich dir DRINGEND zu einem Steuerberater!
    Das lohnt sich in jedem Fall, kostet dich effektiv meist nix und erspart dir viel möglichen Ärger!
     
  5. Dodger

    Dodger VIP Mitglied

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    Steuerberater ist nicht immer zwingend erforderlich. Wenn man nur EÜ-Steuer machen muss geht es so.

    Ausserdem sind viele Steuerberater Nieten. Sorry, aber was ich da schon bei Bekannten erlebt habe. Und letztendlich haftet ja immer der Inhaber... auch bei Fehlern die der Steuerberater macht. Also gewissen Kenntnisse in dem Bereich sind Pflicht!

    Von mir aber auch noch viel Glück für dein Gewerbe!
     
  6. pommesmatte

    pommesmatte Super-Moderator
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    So ein Quatsch, in Fällen wo der Steuerberater dich falsch beraten hat oder die Steuererklärung fehlerhaft ist haftet natürlich er und nicht du.
    Dafür haben die allerdings auch ne Berufshaftplicht.

    Dass es da viele Pfosten unter den Steuerberatern gibt, da gebe ich dir allerdings Recht.
     
    #6 pommesmatte, 5. Okt. 2013
    Zuletzt bearbeitet: 5. Okt. 2013
  7. Dodger

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    Bitte.

    Als Gescdhäftsführer haftet man natürlich selbst und nicht der Steuerberater... lernt man in jedem Gründerseminar....

    Man kann den Steuerberater natürlich haftbar machen. Aber das interessiert das Finanzamt nicht...die holen sich das Geld bei der Firma. Is nem Kollegen passiert... Steuernachzahlung 50000 Euro... :D
     
  8. tomauswustrow

    tomauswustrow VIP Mitglied

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    Ich war über 10 Jahre selbstständig und hab meine Steuern immer selbst gemacht. Solange man nicht schludert kann da nichts schief gehen. Anständige Buchhaltungsprogramme ersetzen auch den Steuerberater.
     
  9. pommesmatte

    pommesmatte Super-Moderator
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    LOL natürlich musst du die Steuern BEZAHLEN, aber für FEHLER haften tut der Berater. Das ist ein qualitativer Unterschied.
    Wenn du zu wenig Steuern gezahlt hattest musst du die natürlich nachzahlen, die hättest du ja auch zahlen müssen, wenn dein Berater keinen Fehler gemacht oder dich nicht falsch beraten hätte.

    Macht er aber einen Fehler und du hast ZUVIEL bezahlt oder dir entstehen dadurch Mehrausgaben/Gerichtskosten oder auch Strafen etc., dann haftet er für diese Ausgaben.
     
  10. Dodger

    Dodger VIP Mitglied

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    Sorry pommesmatte aber HAFTEN tut erstmal der der für die Steuerdinge dem Finanzamt gegenüber verantwortlich ist. Und das ist nicht der STeuerberater. Natürlich kann man bei Fehlern den Steuerberater haftbar machen... aber das setzt oft ein Gerichtsverfahren vorraus. Nachlesen kannste das gerne hier.

    Ich bezweifel das ein Einzelunternehmer die Kohle hat für die Extrakosten ans Finanzamt und dann noch den Prozess etc... und deshalb halte ich deinen Ratschlag aus #4 schlichtweg für falsch und teilweise sogar gefährlich.
     
  11. pommesmatte

    pommesmatte Super-Moderator
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    Einen Steuerberater haben ist gefährlich? Soso...

    In deinem geposteten Artikel steht doch genau drin, was ich sage.
    Bei Fehlern haftet der Steuerberater. Natürlich musst du das ggf. mittels Gerichtsverfahren durchsetzen.
     
  12. Dodger

    Dodger VIP Mitglied

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    Kannst du auch was zum Thema beitragen oder bist nur zum stänkern hier??? :D

    @pommesmatte: einen Einzelgewerbetreibenden kann eine Nachzahlung plus Strafe das Genick brechen. Sorry, aber wer so denkt wie du ist einfach nur naiv. Der Steuerberater kann zweifelsfrei ne Erleichterung sein... aber die Verantwortung nimmt er einem nicht ab. Und das bei nem Einzelgewerbe die Ausgabe für nen Steuerberater lohnt bezweifel ich. Da dann der Gewerbetreibende auch noch mit seinem ganzen Privatvermögen haftet, halte ich solche pauschalen "Ratschläge" für gefährlich... Ja. Gibt genug Idioten (sorry, aber anders kann man es nicht nennen) die nen Gewerbe aufmachen und meinen den "Zahlenkram" kann nen Berater regeln. Ich kenne hier einige im weiteren Umfeld die baden gegangen sind.

    Aber auf Belege für deine polemische Aussage aus #4 kann ich wohl ewig warten. Oder kannst du mir evtl. belegen, das es in der Praxis so easy ist mit Haftung?? Wie gesagt mir gehts hier um Kleingewerbe/Einzelunternehmer... ne grosse Firma hat ein Polster dahinter. UG/GmbH etc. is auch was anderes... wobei da die Haftung der Gesellschafter auch nicht ohne ist.
     
  13. Danuo

    Danuo Neues Mitglied

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    Ich habe aktuell da in der gleichen Position, ich bin Kleinunternehmer und verdiene ganz gut (ca. 1500€) im Monat. Sollte ich das jetzt auch zu einem Steuerberater geben? Oder was meinst du mit "baden gegangen"?

    P.S.: Hier gibt es auch Informationen zum Thema Kindergeld, weil das weiter oben im Thread angesprochen wurde: http://www.kindergeld-auszahlungstermine.de/
     
  14. der-hamster

    der-hamster VIP Mitglied

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    @Danuo,

    erwarte keine große Antwort, der erste Beitrag ist von ,2012 und ich nehme an das bei dem Thema sich einiges geändert hat.
     
  15. csmulo

    csmulo VIP Mitglied

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    Lange Rede kurzer Sinn.
    Es macht in so einem Fall immer Sinn mal einen Steuerberater zu konsultieren.
    Diese sollten die aktuellen Steuergesetze kennen.
    Das Problem dürfte sein einen wirklich guten zu finden.
    Ich bin bisher ohne Steuerberater besser gefahren als mit.
    Den letzten den ich hatte, habe ich zur Kasse gebeten, nachdem ich ihm Betrug nachgewiesen hatte.
    Da lobe ich mir aber auch mein Finanzamt, welches mich um längen besser beraten hat wie der Steuerberater.
    mfg
    csmulo
     
  16. Nejat55

    Nejat55 VIP Mitglied

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    Hi nochmal an alle!

    Wollte nochmal ein Update durchgeben nach über 3 Jahren, da der Beitrag doch viele erreicht die sich im Netz darüber schlau machen möchten wie ich damals. Wurde mittlerweile 3 mal über Facebook auf meinen Beitrag hier aus dem Jahre 2012 angesprochen und im Forum ist der Briefkasten auch voll :).

    Also kurz gefasst..

    10.2012: Gewerbe angemeldet (Reparatur von Handy, An- & Verkauf von Unterhaltungselektronik)
    01.2013: Meinen ersten Shop auf ca. 50m2 eröffnet
    04.2014: Den Shop geschlossen
    04.2014: In besserer Lage auf ca. 120m2 neueröffnet im selben Stil allerdings zusätzlich mit Mobilfunkverträgen
    06.2017 (heute): Mittlerweile bin ich seit fast 5 Jahren selbständig und habe es bisher nicht bereut.​


    Tipps meinerseits, falls jemand diesen Weg ebenfalls gehen möchte:

    - aller Anfang ist schwer, deswegen nicht gleich aufgeben wenn es mal nicht so rund läuft
    - Papierkram immer ordentlich halten, Steuerberater sollte Pflicht sein
    - Immer sauber und ehrlich arbeiten, bei Ersatzteilen und Service nicht am falschen Ende sparen!!

    Ein Kleingewerbe ist schön und gut aber meiner Meinung nach nicht empfehlenswert wenn man einen Shop eröffnen möchte. Wenn man es nur nebenbei zu Hause machen möchte sollte das klar gehen, aber mit einem Shop kommt man ganz schnell über die Grenze von 17.500 EUR welche für ein Kleingewerbe nicht überschritten werden darf - dann lieber gleich von Beginn an professionelle Buchführung mit einem Steuerberater.

    Ich habe in diesen 5 Jahren selbstverständlich einiges an Konkurrenz bekommen aber auch einen guten Kundenstamm aufgebaut durch saubere und ehrliche Arbeit, was sich natürlich rum spricht und auszahlt. Mittlerweile bekommen wir Aufträge von größeren Elektrofachmärkten wie MM, Computer Fachhandel oder Direktshops wie o2 und Vodafone.

    Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins dunkle bringen und einigen helfen! :)
     
    Oballs und tomauswustrow gefällt das.
  17. Oballs

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    Cool, das ist ja schön sowas auch mal nach ein paar Jahren zu lesen